➤ Laura, wie hat dein Weg in den Journalismus begonnen?
Studiert habe ich Kultur- und Literaturwissenschaft, danach folgte ein Volontariat bei einer regionalen Tageszeitung – das war mein handwerkliches Fundament. Wenige Monate später ging ich als freie Korrespondentin nach Rio de Janeiro. Es war 2016, das Jahr der Olympischen Spiele. Ich habe von den Spielen berichtet, über die Folgen für die Stadt geschrieben und meine erste große Reisereportage an Brigitte verkauft. Diese Zeit war intensiv und prägend – fachlich wie persönlich. Seitdem arbeite ich als freie Journalistin und entwickle meine Themen stetig weiter.
➤ Für welche Medien schreibst du im Moment?
Ich arbeite unter anderem für Zeit Online, Reisen Exklusiv, Emotion, Merian, Falstaff, die Rhein-Neckar-Zeitung sowie für das „Bürgerportal in GL“, ein unabhängiges Online-Medium in Bergisch Gladbach. Meine Themen verändern sich mit meinem Leben – genau das schätze ich an der Selbstständigkeit.
➤ Du erhältst täglich Pressemitteilungen. Was überzeugt dich sofort – und was landet direkt im Papierkorb?
Für mich ist die Headline entscheidend. Ich möchte auf den ersten Blick verstehen, worum es geht – klar, konkret und nachrichtlich formuliert. „Restaurant XY erhält Michelin-Stern“ funktioniert. „Was es jetzt Spannendes zu entdecken gibt“ eher nicht. Wenn ich erst lange lesen muss, um zu begreifen, worum es geht, bleibt die Mail liegen – und verschwindet beim nächsten Postfach-Aufräumen. Bilder sind willkommen, aber erst im zweiten Schritt relevant: Wenn mich das Thema interessiert, helfen ein bis zwei große, aussagekräftige Fotos. Eine Collage aus Mini-Bildern mit möglichst vielen Details überzeugt mich dagegen selten.
➤ Wie wichtig ist ein persönliches Anschreiben im Vergleich zu generischen Mailings?
Ein persönlicher Pitch macht einen enormen Unterschied. Die meisten Mails sind generisch – das merkt man sofort. Wenn mich jedoch jemand direkt anspricht und zeigt, dass er oder sie sich mit meinen Themen und „meinen“ Medien beschäftigt hat, lese ich mit einer ganz anderen Haltung. Für Unternehmer*innen heißt das: Relevanz schlägt Reichweite. Lieber gezielt und individuell pitchen als breit und unpersönlich streuen.
➤ Welche drei Tipps würdest du Unternehmer*innen geben, die es in eines „deiner“ Medien schaffen möchten?
Erstens: Beschäftigt euch intensiv mit dem Medium. Wer schreibt dort? Welche Tonalität wird gepflegt? Welche Themen funktionieren? Zweitens: Sucht euch konkrete Ansprechpartner*innen. Nichts wirkt beliebiger als eine unpersönliche Anrede. Drittens – und das ist mir besonders wichtig: Pitcht keine Themen, pitcht Geschichten. Idealerweise mit einer starken Protagonistin. Medien erzählen Storys, keine Produktbeschreibungen.
➤ Woher nimmst du selbst deine Ideen?
Inspiration finde ich überall – im Familienalltag, in Gesprächen, auf Reisen, in Social Media oder beim Lesen anderer Medien. Meine Ideensammlung ist endlos. Wahrscheinlich könnte ich ein zweites Leben gebrauchen, um alles umzusetzen.
➤ Rückblickend: Gibt es etwas, das du anders machen würdest?
Ich habe lange geglaubt, nicht gut genug für den Magazinjournalismus zu sein – für die großen Reisestorys und die Medien, die ich selbst gerne gelesen habe. Heute weiß ich: Diese Zweifel waren unbegründet. Wenn ich etwas ändern könnte, würde ich mich früher trauen. Einfach ausprobieren. Denn manchmal liegt zwischen Wunsch und Wirklichkeit nur der Mut, loszugehen.
➤ Welche Rolle spielen KI-Tools wie ChatGPT in deinem Arbeitsalltag?
KI ist längst Teil meiner täglichen Arbeit. Für erste Recherchen nutze ich Perplexity oder DeepSeek, Claude hilft bei Titel- und Teaserideen, ChatGPT fasst Interviews zusammen, und eine Wolf-Schneider-KI unterstützt beim Redigieren. Ich sehe darin klar eine Chance. Vor-Ort-Recherchen, echte Begegnungen und journalistisches Gespür kann kein Tool ersetzen – aber als Assistenz sind KI-Anwendungen enorm hilfreich. Für Unternehmer*innen bedeutet das: Technologie klug nutzen, ohne die eigene Stimme zu verlieren. Kommunikation bleibt am Ende immer eines: eine Frage von Haltung, Klarheit und Relevanz.
(Das Interview wurde am 10.3.2025 geführt)