Ihre stimmigen Bildwelten kreiert die ECAL-Absolventin mit Feingefühl und Strategie. Das Fotografieren brachte sie sich während der Corona-Pandemie selbst per Online-Kurs bei.
➤ Anne, was zeichnet deine Arbeit als Fotografin aus?
Meine Fotografie basiert im Kern auf drei Dingen: Vertrauen, Natürlichkeit und Zeit. Mir geht es nicht darum, perfekte Posen oder glatte Bilder zu produzieren, sondern echte Präsenz sichtbar zu machen. Viele Frauen kommen mit dem Gefühl, „nicht fotogen“ zu sein oder Angst vor der Kamera zu haben. Genau da setze ich an: Ich nehme mir bewusst Raum zum Ankommen, zum Kennenlernen, zum Reden. Oft liegt die Kamera die erste halbe Stunde einfach noch in der Tasche. Erst wenn die Anspannung weg ist, entstehen Bilder, die wirklich etwas erzählen.
➤ Wie läuft ein Shooting bei dir ab?
Sehr entspannt. Wir starten meist mit einem Kaffee, sprechen über das Business, über das Leben, über das, was die Bilder transportieren sollen. Ich arbeite ausschließlich mit natürlichem Licht und ohne großes Equipment – ein Rucksack reicht. Während des Shootings rede ich viel, stelle Fragen, lasse Bewegung zu. Es fühlt sich eher wie ein Gespräch an als wie ein klassisches Shooting. Genau dadurch vergessen viele irgendwann, dass sie fotografiert werden.
➤ Was bringt diese Art der Fotografie deinen Kund*innen?
Vor allem Sicherheit und Wiedererkennen. Viele sagen mir am Ende: „So sehe ich mich selbst – aber ich hätte nie gedacht, dass man das fotografieren kann.“ Die Bilder wirken nicht gestellt, sondern ruhig, klar und authentisch. Gerade für Selbstständige, Gründerinnen oder Frauen im beruflichen Umbruch sind gute Bilder oft der Moment, in dem das eigene Business plötzlich real wird. Das kann enorm bestärkend sein.
➤ Was brauchen Frauen, um gute Bilder von sich machen zu lassen?
Nicht viel. Zwei bis drei Outfits, in denen sie sich wirklich wohlfühlen, und die Bereitschaft, sich einzulassen. Professionelles Hair & Make-up kann helfen, ist aber kein Muss – wichtiger ist, dass man sich selbst im Spiegel mag. Ich rate immer dazu, nicht „verkleidet“ zu kommen, sondern so, wie man sich auch im Alltag gerne sieht. Der Rest entsteht im Prozess.
➤ Wie wichtig ist die Location für ein Shooting?
Sehr wichtig – sie macht bestimmt ein Drittel der Bildwirkung aus. Das kann ein Atelier sein, ein Café, ein Geschäft, draußen in der Stadt oder auch ein scheinbar unspektakulärer Ort mit guter Struktur. Ich mache die Locationsuche immer bewusst und schlage Optionen vor, die zum Menschen und zum Business passen. Der Ort soll unterstützen, nicht ablenken.
➤ Viele Menschen mögen es nicht, fotografiert zu werden. Wie gehst du damit um?
Das ist tatsächlich der häufigste Satz, den ich höre: „Ich mache das nur, weil ich muss.“ Genau deshalb nehme ich Druck raus. Ich fotografiere viel, aber unauffällig, ohne starre Anweisungen. Es gibt keinen Zwang, keine Performance. Sobald jemand merkt, dass nichts „geliefert“ werden muss, verändert sich die Körpersprache – und damit auch das Bild. Am Ende sagen fast alle, dass es viel angenehmer war als erwartet.
➤ Was ist dir bei deiner Arbeit besonders wichtig?
Ich retuschiere sehr wenig, vor allem nicht im Gesicht – keine Glättung, kein Verfremden. Das Hauptziel ist immer, dass die Kundin sich selbst im Bild wiederfindet. Fotografie ist für mich kein Produkt von der Stange, sondern eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
➤ Was sind deine drei wichtigsten Tipps für ein gelungenes Fotoshooting?
Erstens: Wähle eine Fotografin oder einen Fotografen, bei dem du dich menschlich wohlfühlst. Technik ist wichtig, aber Vertrauen ist entscheidend – gute Bilder entstehen nur, wenn du dich sicher fühlst und loslassen kannst.
Zweitens: Komm so, wie du dich selbst magst. Wähle Kleidung, Make-up und Styling, die zu deinem Alltag und deinem Business passen – nicht verkleidet, nicht „für die Kamera“, sondern authentisch. Das sieht man auf jedem Bild.
Drittens: Plane Zeit ein und nimm den Druck raus. Gute Fotos entstehen nicht im Stress. Je mehr Raum es für Ankommen, Gespräch und Bewegung gibt, desto natürlicher und stärker wird das Ergebnis.