Q&A: Rechtsanwältin für Medienrecht Karolin Sannwald

Gepostet am

25/01/2026

Karolin Sannwald ist Rechtsanwältin für Medienrecht und Gründerin von Inflawencer, einer Kanzlei für Social Media- und Influencer-Recht.

Karolin Sannwald

Rechtsanwältin & Gründerin Inflawencer

inflawencer.de

Als Schülerin wollte sie Journalistin werden – doch der Weg führte Karolin Sannwald erst ins Jurastudium, später ins Medienrecht und schließlich in die Selbstständigkeit. Heute ist sie Gründerin von Inflawencer, einer Kanzlei mit Fokus auf Social Media- und Influencer-Recht. Ihr Markenzeichen: pinke Akzente statt grauer Anzug, direkte Sprache statt Paragrafenkauderwelsch. Die Hamburgerin berät Unternehmen, Creator*innen und Agenturen in allen rechtlichen Fragen rund um Content, Kooperationen und Kennzeichnungspflichten.

 

Karolin, was war der Auslöser für deinen Schritt in die Selbstständigkeit? 

Lange hatte ich Angst vor dem Sprung, obwohl meine Familie größtenteils selbstständig ist. Corona war dann der Gamechanger – ich habe gemerkt, dass ich viel flexibler und produktiver arbeiten kann, wenn ich meinen eigenen Rhythmus bestimme. Als mir ein Arbeitgeber plötzlich wieder starre Präsenzzeiten auferlegen wollte, wusste ich, es ist Zeit für eine Veränderung. Kurz darauf war die Idee für Inflawencer geboren.

 

➤ Welche Fälle landen heute auf deinem Tisch?

Sehr viele Kooperationsverträge, Wettbewerbs- und Urheberrechtsfragen. Klassiker sind: „Wie kennzeichne ich Werbung richtig?“ oder „Darf ich diese Musik auf Instagram verwenden?“. Aber auch Abmahnungen, Markenrechtsstreitigkeiten und Vertragsprüfungen gehören dazu. Meine Leidenschaft ist nach wie vor das Äußerungsrecht. Und der Ton auf Social Media wird immer rauer. Daher landen auch immer wieder äußerungsrechtliche Fälle auf meinem Tisch.

 

➤ Viele Influencer*innen unterschreiben Verträge, ohne sie richtig zu lesen. Was ist daran so riskant? 

Verträge sind juristisch – sie sind nur selten im Interesse des Creators formuliert. Wenn man sie einfach unterschreibt, verzichtet man schnell auf Tausende Euro, etwa durch versteckte Buyouts. Das ist fahrlässig. Ich rate jedem: Bevor ihr unterschreibt, lasst wenigstens einmal einen Juristen drüber schauen. Es ist günstiger, präventiv zu handeln, als später teuer Schadensbegrenzung zu betreiben.

 

➤ Gibt es rechtliche Stolperfallen, die dich immer wieder erstaunen? 

Ja – zum Beispiel die Mär der „unbezahlten Werbung“. Das gibt es gar nicht! Entweder ist es Werbung, oder es ist keine. Punkt. Auch das Impressum ist so ein Dauerbrenner: Viele wissen nicht, dass dort der volle Klarname und eine zustellfähige Adresse stehen müssen. Solche Kleinigkeiten können schnell zu Abmahnungen führen.

 

➤ Du sagst selbst, Influencer*in sein ist ein Beruf. Fehlt uns eine richtige Ausbildung?

Absolut. Jeder kann Creator werden, aber kaum jemand kennt die rechtlichen Grundlagen. Mich überrascht, dass Hunderttausende damit Geld verdienen, ohne zu wissen, welche Pflichten und auch Rechte sie haben. Mein Traum wäre eine fundierte Ausbildung – mit Modulen zu Recht, Steuern und Content. Denn nur Reichweite zu haben, wird in Zukunft nicht mehr reichen.

 

➤ Dein Rat für Creator*innen und Unternehmen?

Sucht euch professionelle Unterstützung, bevor ihr in die nächste Kooperation startet. Prävention ist günstiger und nervenschonender. Und: Traut euch, Verträge und Prozesse zu hinterfragen.

 

➤ Deine Top-Tipps für rechtssicheres Influencer*innen-Marketing? 

Unterschreibt niemals Verträge, die ihr nicht gründlich gelesen habt – oder noch besser: lasst sie von Jurist*innen prüfen. Achtet ebenso auf ein korrektes Impressum. Auch hier empfiehlt es sich, die Erstellung oder zumindest die Prüfung einem Profi zu überlassen. Und ganz wichtig: Kennzeichnet Werbung eindeutig mit „Werbung“. Begriffe wie „unbezahlte Werbung“ klingen kreativ, sind rechtlich jedoch wirkungslos. Und bitte nehmt das Thema Musikrechte nicht auf die leichte Schulter. Nicht jede Musik, die euch auf Instagram vorgeschlagen wird, ist lizenzfrei. Auch hier kann es bei Verstößen ein böses Erwachen geben.

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