➤ Simone, was hat dich zur Selbstführungs-Coachin gemacht?
Nach sechs Jahren in Werbeagenturen wusste ich einfach: Das geht effizienter, flexibler, schneller – mit weniger Aufwand und mehr Wirkung. Ich habe mich dann als Ein-Frau-Agentur mit einem grossen Netzwerk selbstständig gemacht. Den eigentlichen Wendepunkt erlebte ich aber erst 2020: Mein bestes Geschäftsjahr endete im September mit einem totalen Anschlag. Ich musste die Handbremse ziehen – und habe gelernt, wie ich meinen Alltag wirklich gestalten will. Weniger fremdbestimmt, mehr Ruhe, mehr Fokus.
➤ Wer sind deine Kund*innen?
Ich arbeite mit selbstständigen Frauen und Unternehmerinnen – Menschen mit Ambitionen, die zu viel gleichzeitig tragen und wieder klar sehen wollen. Das Herzstück ist der selfcircle: ein 12-Wochen-Programm in einer Gruppe von maximal acht Frauen. Daneben begleite ich Einzelpersonen in 1:1-Sessions und gebe Workshops und Talks für Firmen, Teams und Schulen. Es geht immer um dasselbe: raus aus dem Reagieren, rein in die bewusste Selbstführung.
➤ Selbstführung klingt gut. Aber wie kann man die lernen?
Selbstführung ist keine Technik – es ist eine Haltung. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, was man tut und was nicht, wie man seinen Alltag gestaltet und wohin man will. Wenn du das nicht selbst entscheidest, tun es andere für dich. Zeitmanagement und Produktivitätsmethoden sind dabei nur Werkzeuge – sie funktionieren aber nur, wenn du dich zuerst selbst kennst: Wann bin ich produktiv? Was brauche ich, um zufrieden zu sein? Was will ich wirklich?
➤ Was sind häufige Fehler?
Der Optimierungseifer: Ein neuer Kalender, eine neue App, noch eine Liste. Das funktioniert eine Zeit lang – aber langfristig stülpt man sich ein System über, das nicht zum eigenen Leben passt. Dazu kommt fehlender Fokus: Wer den ganzen Tag nur auf Push-Nachrichten und Mails reagiert, hat am Abend das Gefühl, nichts Wichtiges erledigt zu haben. Und Pausen werden systematisch unterschätzt – gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit braucht es mehr davon, nicht weniger.
➤ Du arbeitest unter anderem mit Lego® Serious Play® – das klingt im ersten Moment nach einem Kinderspiel …
Das ist es im eigentlichen Sinne auch. Es sind ganz normale Legosteine – ein Set mit 54 Teilen, das alle Teilnehmenden gleich haben. Und genau das ist das Faszinierende: Visionen, Alltagsprobleme, Teamkonflikte – alles lässt sich damit in kürzester Zeit sichtbar machen und besprechen. Es führt sehr schnell zu echten Aha-Momenten, die durch Gespräche allein oft viel länger bräuchten.
➤ Deine drei wichtigsten Tipps für selbstständige Frauen, die mehr Struktur in ihren Alltag bringen wollen?
Erstens: Wissen über sich selbst aufbauen. Wie funktioniere ich? Wann bin ich produktiv? Was ist mein Warum? Das ist die Basis für alles andere.
Zweitens: Einen digitalen Kalender führen – und er gehört dir. Du bestimmst, was reinkommt und wann. Nicht andere.
Drittens: Fokuszeit aktiv schützen. Ablenkungen ausschalten und wieder lernen, wirklich fokussiert zu arbeiten. Das ist wie ein Muskel – er kann trainiert werden.