➤ Leandra, was waren bislang deine wichtigsten beruflichen Stationen?
Geschrieben habe ich schon früh, für die «Steinhauser Aspekte» und die «Zuger Zeitung». Es folgten Praktika bei der «Zuger Zeitung», bei «20 Minuten Friday» und bei annabelle, wo mir 2018 die Stelle als Junior Editor angeboten wurde. 2019 wurde ich nach einer Mutterschaftsvertretung Lifestyle-Redaktorin, 2023 schliesslich Textchefin Lifestyle und stellvertretende Chefredaktorin.
➤ In deiner Funktion erhältst du bestimmt unzählige Pressemitteilungen. Welche wecken dein Interesse sofort – und welche löschst du direkt?
Ich muss ehrlich zugeben: Rund 80 % der Mails, die ich täglich erhalte, lösche ich innert Sekundenbruchteilen einzig aufgrund der Betreffzeile, ohne sie je geöffnet zu haben. Anders wäre die Mailflut nicht zu bewältigen. Entscheidend ist also eine spannende Betreffzeile, die neugierig macht. Ganz wichtig auch: Werde ich mit «Liebe Medienvertreterinnen» oder ähnlich angesprochen, lösche ich das Mail sofort. Steht dort «Liebe Leandra», lese ich weiter. Den Anhang mit der Pressemitteilung öffne ich aber nur, wenn der Pitch so konkret auf annabelle zugeschnitten ist, dass ich Potenzial für eine Geschichte sehe – im besten Fall mit Rubrik, Fokus und möglichen Interviewpartner*innen schon mitgedacht. Dann muss die Pressemitteilung selbst nicht mehr persönlich adressiert sein, meine Aufmerksamkeit ist ja schon da – sie muss vor allem alle relevanten Infos enthalten, von besonders wichtig zu Beginn bis nice-to-know weiter unten. Mein Fazit: Das Mail ist wichtiger als die angehängte Pressemitteilung.
➤ Welche Rolle spielen mitgeschickte Bilder?
Eine große. Eine Pressemitteilung ohne Bilder lösche ich – ich habe leider keine Zeit, sie mir selbst zu ergoogeln. Am besten sind schon im Mail ein, zwei Bilder enthalten, damit ich das Thema auch optisch sofort einordnen kann.
➤ Wie wichtig ist die Headline?
Matchentscheidend. Je konkreter und personalisierter, desto überzeugter bin ich, dass das Thema für annabelle relevant ist. Wenn ich raten muss, worum es geht, hast du mich verloren. Ansprechend wäre zum Beispiel: «Pitch für annabelle: Interview mit erster weiblicher Astronautin, die den Mond umrundet» – direkte Ansprache, ein für uns als Frauenmagazin spannendes Thema und tagesaktuell.
➤ Reagierst du auf generische Mailings – oder erst bei einem persönlichen Pitch?
Auf generische Mailings reagiere ich nie.
➤ Welche Art von Pressearbeit kommt bei dir gut an, welche eher nicht?
Anrufe mag ich gar nicht – neun von zehn wären besser ein E-Mail gewesen. Antworte ich innerhalb einer Woche nicht, darf gerne einmal nachgehakt werden. Kommt dann wieder keine Antwort, ist das Thema für uns nicht relevant, ein zweites Nachhaken braucht es nicht. Zur Kontaktpflege treffe ich mich aber gerne einmal im Jahr auf einen Kaffee – dann lese ich für den Rest des Jahres auch die Mails wieder aufmerksamer.
➤ Gibt es einen typischen Fehler, den kleine Unternehmen oder Solo-Gründerinnen bei der Kontaktaufnahme machen?
Nein, im Gegenteil. Einzelpersonen und kleine Unternehmen nehmen sich oft besonders viel Zeit für die persönliche Kontaktaufnahme, die es für einen erfolgreichen Pitch braucht. Viele sparen aber bei den Bildern, und das ist ein grosser Fehler. Professionelle, hochwertige und hoch aufgelöste Bilder sind wichtig für den Pitch – vor allem aber auch für die Publikation selbst, denn ein eigenes Fotoshooting-Budget wird es in den seltensten Fällen geben. Für unsere Rubriken «Now Open» und «Favoriten» beispielsweise arbeiten wir ausschliesslich mit zur Verfügung gestellten Bildern.
➤ Gibt es den perfekten Zeitpunkt, sich bei dir zu melden?
Da wir fast immer einen aktuellen Aufhänger brauchen, am besten vor einem Business- oder Produkt-Launch oder passend zur Saison – mit genügend Vorlaufzeit. Als Monatsmagazin arbeiten wir schon jetzt an der Ausgabe von in drei Monaten: Mitte August beschäftige ich mich zum ersten Mal mit unserem Weihnachts-Geschenke-Guide. Lieber also zu früh als zu spät anklopfen.
➤ Deine drei wichtigsten Tipps für kleine Unternehmen, die es in die annabelle schaffen wollen?
Erstens: Unsere Ausgaben studieren und genau überlegen, was an der eigenen Geschichte für unsere Leserinnen relevant sein könnte.
Zweitens: Einen auf uns zugeschnittenen Pitch samt Bildern per Mail schicken, im besten Fall inklusive Pressemitteilung mit allen Informationen.
Drittens: Versuchen, jemanden von uns auf einen Kafi zu treffen.