Sara Mously
Diversity-Trainerin
Sara Mously, die selbst einen Migrationshintergrund hat, hat sich intensiv in das Thema eingelesen und am Berliner Institut Living Diversity eine Ausbildung zur Diversity-Trainerin absolviert. Heute gibt die Hamburgerin Workshops, hält Vorträge und arbeitet als Redakteurin beim Harvard Business Manager. Ein Gespräch über Vorurteile, ungleiche Machtverteilung und Fehlerkultur.
➤ Liebe Sara, was macht eine Diversity-Trainerin?
Ich helfe Menschen, in einer Gesellschaft zurechtzukommen, die immer vielfältiger wird. Mit vielfältiger meine ich nicht, dass es plötzlich mehr Menschen mit Behinderungen, mehr queere Personen oder mehr Frauen gibt als früher. Aber diese Gruppen haben heute mehr Macht und fordern entsprechend mehr Mitbestimmung ein. Menschen, die das verunsichert, lernen in meinen Workshops, innere und äußere Barrieren abzubauen.
➤ Wie bist du dazu gekommen?
Es fing damit an, dass ich als Mädchen mit Migrationshintergrund selbst Rassismus- und Sexismuserfahrungen gemacht habe. Später habe ich Psychologie studiert und mich intensiv mit den Themen Diskriminierung und Vorurteilen befasst. In meiner journalistischen Ausbildung und später im Job habe ich gelernt, genau hinzusehen, statt Menschen in Schubladen zu stecken. Als meine Redakteursstelle gestrichen wurde, habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Aufgabe gemacht und habe mich schließlich für eine Ausbildung am Berliner Institut „Living Diversity“ entschieden.
➤ Was bietest du konkret an – und wer zählt zu deiner Zielgruppe?
Ich biete Inhouse-Workshops und Vorträge an und moderiere Panels. Meist werde ich von Organisationen gebucht, die in die positiven Auswirkungen von Diversität investieren wollen. Ich habe aber auch schon einen Kurs an der Hamburger Volkshochschule gegeben und plane das für den Herbst wieder. Denn ich will auch Menschen, die das Thema privat interessiert, niedrigschwellig erreichen.
➤ Geht es dabei ausschließlich um Kommunikation?
Nein, Diversität geht viel weiter. Ich unterstütze Menschen vor allem darin, sich die Ungleichverteilung von Macht bewusst zu machen. Und zeige ihnen auf, welche Hebel sie ansetzen können,
um etwas zu ändern. Etwa in dem sie Nachwuchs gezielt aus Gruppen rekrutieren, die sich bisher nicht angesprochen fühlen. Indem sie Frauen und andere Gruppen gezielt fördern. Indem sie ein Umfeld schaffen, in dem auch Menschen, die nicht männlich, Mitte 40 und ohne sichtbare Behinderung sind, beruflich weiterkommen können.
➤ Geht es in deinen Trainings um alle Bereiche der Diversität – oder nur um bestimmte?
Angefragt werde ich meistens zu Gender und Herkunft. Das mag daran liegen, dass ich in dieser Richtung selbst Diskriminierungserfahrung mitbringe. Aber das hat sicher auch mit #metoo und #blacklivesmatter zu tun, zwei Bewegungen, die es geschafft haben, viele, auch Nichtbetroffene, hinter sich zu versammeln. Aber alle Dimensionen sind selbstverständlich gleich wichtig.
➤ Wie sieht diversitygerechte Kommunikation konkret aus? Was rätst du Texter*innen?
Erstens: Schreibt nicht über die Menschen, sondern lasst sie zu Wort kommen. Zweitens: Erkundigt euch, welche Bezeichnungen Personen oder Gruppen für sich selbst wählen. Und drittens: Achtet darauf, Menschen aus diskriminierten Gruppen nicht als „anders“ abzustempeln – auch nicht indirekt. Wie oft habe ich schon gelesen, dass Menschen „trotz“ ihrer Querschnittslähmung ihren Bürojob gut hinbekommen. Das signalisiert Personen, die einen Rollstuhl benutzen: „Mit dir stimmt etwas nicht“.
➤ Was sind andere typische Fehler?
Typische Fehler gibt es nicht. Wir machen alle Fehler, ständig. Wichtig ist nur, wie wir damit umgehen: Schämen wir uns und fangen an, uns zu rechtfertigen? Werden wir vielleicht sogar wütend auf die Person, die uns auf den Fehler hinweist? Oder lernen wir, uns zu entschuldigen und zuzuhören, um es nächstes Mal besser zu machen? Kurz gesagt: Ein häufiger Fehler ist es, zu große Angst vor Fehlern zu haben.